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Als Messen wird das Erfassen der Ausprägung einer Variable bzw. eines Merkmals bezeichnet. Dabei werden den unterschiedlichen Ausprägungen eines Objekts Zahlenwerte zugeordnet, d.h. die empirischen Relationen werden mit Hilfe numerischer Relationen abgebildet. Dies ist durch die zuvor stattgefundene Operationalisierung der Variablen möglich. Findet sich zu jedem Objekt und jeder Ausprägung eine eindeutig zuordbare Zahl, spricht man von einer isomorphen Abbildung, wenn einer Zahl mehrere Objekte zugeordnet sind von einer homomorphen Abbildung. Der wahre Wert einer Messung unterscheidet sich vom gemessenen Wert immer durch einen Messfehler, d.h. der wahre Wert ist die Differenz zwischen beobachtetem Wert und Fehler. Durch mehrfache, unabhängige Messungen eines Objekts und Bildung eines Mittelwertes kann sich an den wahren Wert angenähert werden.


SkalenBearbeiten

Veranschaulichung der Skalentypen

Eine Skala ist die homomorphe Abbildung eines empirischen in ein numerisches Relativ. Skalen können unterschiedliche Ausprägungen besitzen, außerdem können sie, bei Messung eines gleichen Merkmals ineinander transformiert werden (Bei der Messung des Merk mals "Länge" kann z.B. von cm in inch transformiert werden). Generell gilt: Je eindeutiger eine Skala ist, desto weniger Transformationen lässt sie zu.


NominalskalaBearbeiten

Bei der Nominalskala wird jeder Ausprägung ein Wert zugeordnet; diese Werte können aber nicht in ein Verhältnis gebracht bzw. quantitativ miteinander verglichen werden (ein Wert ist nicht "höher"/"besser" oder "niedriger"/"schlechter" als ein anderer). Lediglich Äquivalenzrelationen (gleich oder nicht gleich) sind möglich. Statistisch lassen sich nominalskalierte Werte nur in Form von Häufigkeiten (Modus als häufigster Wert) weiterverwerten, Bestimmung des Mittelwertes o.ä. ist nicht möglich. Bei nominalskalierten Variablen handelt es sich um qualitative Variablen.

  • Beispiele: Blutgruppe, Staatszugehörigkeit

OrdinalskalaBearbeiten

Die Ordinalskala bringt die einzelnen Werte zwar in eine Rangfolge, die Größe des Unterschiedes zwischen zwei Werten der Skala ist aber immer noch nicht erfassbar. Ein Mittelwert lässt sich aufgrund der nicht bekannten Größenunterschiede zwischen zwei Werten immer noch nicht verwenden, aber es lässt sich ein Median bilden (Wert, der größer als 50 % und kleiner als 50 % aller Werte ist).

  • Beispiele: Beaufort-Skala der Windstärke, Single-Charts


IntervallskalaBearbeiten

Intervallskalierte Variablen lassen ein Erkennen des Größenunterschiedes zwischen zwei Ausprägungen zu, wobei gleich große Unterschiede bei Merkmalsausprägungen gleich großen Unterschieden bei den Messwerten entsprechen. Dementsprechend lässt sich hier als statistisches Lagemaß das arithmetische Mittel verwenden.

  • Beispiele: IQ, Celsius-Skala

VerhältnisskalaBearbeiten

Verhältnisskalen oder auch Ratioskalen entsprechen den Intervallskalen, allerdings gibt es einen natürlichen Nullpunkt. In psychologischen Messungen werden Verhältnisskalen nur selten verwendet, meist nur als Teil einer Operationalisierung (z.B. Monatseinkommen als Teil der Operationalisierung des sozio-ökonomischen Status). Als verwendbares Lagemaß kommt hier das geometrische Mittel hinzu.

  • Beispiele: Monatseinkommen, Länge, Masse


AbsolutskalaBearbeiten

Bei Absolutskalen entspricht das numerische Relativ dem empirischen, d.h. es handelt sich um eine natürliche Maßeinheit, bei der keine Transformierung möglich ist. Praktisch gesehen sind Absolutskalen ein Sonderfall der Verhältnisskalen.

  • Beispiele: Bevölkerungszahlen, Anzahl gerauchter Zigaretten pro Tag


Problem bei Fragebogen-Items: Ordinal- oder Intervallskala?Bearbeiten

Bei Fragebogen-Items, bei dem die Befragten eine Ausprägung eines eigenen Persönlichkeitsmerkmals abschätzen sollen, ist es schwierig, eine definitive Entscheidung für eine Ordinal- oder Intervallskala zu treffen.

Beispiel:

Beispielitem.png

Wenn man davon ausgehen kann, dass die Unterschiede zwischen jedem ankreuzbaren Wert und den danebenliegenden Werten gleich ist, kann man hier von einer Intervallskala sprechen. Diese Entscheidung würde zu einer leichteren statistischen Auswertung führen. Allerdings ist es möglich, dass die Probanden diese Skala unterschiedlich und nicht unbedingt intervallskaliert interpretieren - dann müsste man eine Ordinalskala verwenden.

GütekriterienBearbeiten

Als Gütekriterien einer Messung bezeichnet man Kriterien, die eine besondere Exaktheit der Messung gewährleisten sollen. Dabei kristallieren sich als besonders wichtig die Kriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität heraus.


ObjektivitätBearbeiten

Als Objektivität wird die Unabhängigkeit der Messung von äußeren Umständen bezeichnet.

DurchführungsobjektivitätBearbeiten

Durchführungsobjektivität beschäftigt sich mit der Frage nach dem Einfluss des Versuchsablaufs/des Versuchsleiters auf die Messung und kann durch präzise Instruktionen und gleich bleibende Abläufe gewährleistet werden.

AuswertungsobjektivitätBearbeiten

Unterschiedliche Anwender eines Messinstrumentes können zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dies kann durch präzise Anweisungen zur Auswertung verhindert werden.

InterpretationsobjektivitätBearbeiten

Schließlich können unterschiedliche Anwender, auch wenn sie die gleichen Ergebnisse haben, diese unterschiedliche interpretieren, bzw. in unterschiedliche Größenverhältnisse setzen. Deshalb sind Normwerte zur Bezugnahme wichtig.


ReliabilitätBearbeiten

Statistische Messwerte sind immer mit Fehlern behaftet, und ein Messinstrument ist dann besonders reliabel, wenn dieser Fehler gering wird, d.h. wiederholte Messungen zu gleichen Ergebnissen führen. Um die Reliabilität zu überprüfen, gibt es unterschiedliche Methoden.

Retest-MethodeBearbeiten

Bei dieser Methode wird einfach zweimal bei den gleichen Probanden getestet und die erhaltenen Werte miteinander verglichen. Problematisch beim Retest sind allerdings Erinnerungs- und Übungseffekte oder generell psychische Veränderungen, die die zweite Messung verfälschen könnten.

Paralleltest-MethodeBearbeiten

Diese Methode entspricht der Retest-Methode, allerdings werden hier zwei unterschiedliche Messinstrumente verwendet, die aber das gleiche Merkmal messen. Diese Messinstrumente müssen den gleichen Aufbau und die gleiche Schwierigkeit gewährleisten, wobei besonders letzteres nur schwer zu realisieren ist.

Testhalbierungs-MethodeBearbeiten

Der Test wird den Probanden nur einmal vorgelegt. Danach werden die Items in zwei Hälften geteilt und die Ergebnisse der beiden Hälften miteinander verglichen. Auch hier muss eine Äquivalenz der beiden Hälften gewährleistet sein, mit den oben erwähnten Schwierigkeiten.


ValiditätBearbeiten

Die Validität stellt die Frage nach der Güte der Operationalisierung, also ob das Messinstrument auch wirklich genau das misst, was es messen soll.

InhaltsvaliditätBearbeiten

Sind die verwendeten Items eine repräsentative Auswahl aller Items die dieses Merkmal erfassen? Diese Art der Validität ist nur mithilfe von Expertenmeinungen erfüllbar.

KriteriumsvaliditätBearbeiten

Kriteriumsvalidität ergibt sich daraus, wie sehr die verwendeten Items tatsächlich mit den Kriterien des zu erfassenden Merkmals zusammenhängen, also wie sehr sie Indikatoren für das Merkmal sind.

KonstruktvaliditätBearbeiten

Die Konstruktvalidität ist gegeben, wenn es einen Zusammenhang zwischen Messwerten und Kriterien, die mit ihnen einhergehen sollen, gibt, z.B. sollten Universitätsstudenten einen höheren Intelligenzquotienten besitzen als Sonderschüler.

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